Tapachula ist die südlichste Stadt Mexikos nahe am Pazifik, direkt an der Grenze zu Guatemala und selbst zu Weihnachten unerträglich heiß, wie Helmut Wolman gerade auf seiner Mexico-von-morgen-Reise erfahren durfte. Von dort geht es gute 2 Stunden über Buckelpisten ins Gebirge des Vulkans Tacana zu den größten Kaffeeplantagen, wo es langsam wieder kälter wird. In der von Kolonisation geprägten Gegend „Nueva Alemania“ arbeitet seit über 80 Jahren die Familie der Peters mit über 100 Mitarbeitern im Demeter-Kaffee handel. Die größte und älteste nachhaltige Kaffeefarm. Wie sieht das heute aus?

Finca Irlanda mitten im Wald
Finca Irlanda mitten im Wald

Die Finca liegt auf 1.200 m mitten im Regenwald. Auf einem großen Hof, umgeben von Arbeitsgebäuden trocknet Kaffee. 24/7 dröhnt das Lüftungsgebläse der Trocknungsanlage, die mit Holz der Finca betrieben wird über das gesamte Gelände.

Neben den Wirtschaftsgebäuden steht eine zweistöckiges schönes Hotel und auf dem Hügel über der Farm ein wunderschönes Landhaus, wo die Hofeigentümer wohnen, die Peters. Das ist wohl schon einer der größten Unterschiede, denn mexikanische Fincabesitzer wohnen meist in den Städten, wo auch die Büros sind und kommen nur zu strategischen Gesprächen und zur Qualitätssicherung auf den Hof.

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Video mit Walter Peters, über die Gründung der Finca Irlanda. Hier ist Teil 2

Bild der Volgearten auf Finca Irlanda

Natürlichkeit

Walter Peters ist ein wahrer Urwaldliebhaber, kennt die Rufe des Pandas und aller Vogelarten, die es hier gibt und wohnt hier, seid er 1964 die Finca von seinem Vater und Großvater übernommen hat, die sie 1928 gegründet haben. Er ist schon fast eher ein Biologe als ein Kaffeebauer, so sehr interessiert ihn das ökologische Gleichgewicht und so stolz ist er darauf, eine als ausgestorben geglaubten Odilienart wiederentdeckt zu haben. Dementsprechend hat er sich für die Gründung eines Naturparks eingesetzt.

Im Geheimnisvollen Nebel der Trockungsanlage und der Wolken liegt die Finca auf 1600 m Höhe.

Die vom Demeter-Bund anzuerkennenden Verfahren begannen 1962 und der erste zertifizierte Kaffee wurde 1967 nach Deutschland geschickt. Die Finca wurde damit als erste Finca Demeterzertifiziert und baut im Urwald Kaffee an, sodass kein Baum gefällt werden muss und der Kaffee im Schatten wächst und damit besser bekömmlich ist. Anders als auf der konventionellen „Finca Hamburgo“ nebenan, wird damit in der Regenzeit auch kein wichtiger Boden weggeschwemmt, auch weil die Reihen nach Permakultur-Prinzipien entlang der Höhenlinein verlaufen.

Kaffee-Anbau im Wald entlang der Höhenlinien (hier am Beispiel von El Equimite, Finca Irlanda ist aber ähnlich.

Die Finca Irlanda verwendet keine Herbizide, sodass Insekten und besonders Vögel gesund leben können und die Natur ein Gleichgewicht bildet, auch gegen Befall.

Erneuerbarkeit

Auf dem Hof wird alles in Kräusläufen entwickelt. Besonders wichtig ist dabei der Kompost. Alle Schalen der Kaffebeeren werden mit Regenwürmern kompostiert und der wertvolle Humus beim Pflanzen des Kaffees verwendet. Dadurch wird CO2 gebunden und Fruchtbarkeit ohne künstlichen Dünger garantiert.

Lediglich die Demeterpreparate kommen zum Teil aus Deutschland und von El Equimite.

Fairness

Im Internet finden sich noch einige Artikel der linken Arbeiterbewegung, die auf Konflikte durch schlecht bezahlter Arbeiter hinweisen. Dem ist heute längst nicht mehr so. Die Erntehelfer verdienen zwischen 500 bis 1000 Pesos am Tag (23 – 50 €), was mehr ist als auf den umgebenden Farmen. Auch Wohnungen werden von der Finca gebaut.

Auch die Kinderarbeit gehört hier längst der Vergangenheit an. Auf großen Schildern wird für alle deutlich Erklärt, was warum Kinderarbeit nicht toleriert werden kann. Für Kinderbeutreuung wird gesorgt.

Aufklärungsschild zu Kinderarbeit auf der Farm, sodass es alle Mitarbeiter auch lesen können.

Menschlichkeit

Auf der Farm liegt ein fröhliches Gemeinschaftsgefühl in der Luft. Die Erntehelfer kommen größtenteils aus dem benachbarten Guatemala und zusammen wird gelacht. Die Menschen arbeiten gerne und motiviert hier.

Für die Kinder wurde eine Grundschule gebaut die von der Stiftung der Farm finanziert wird. Die älteren Kinder werden mit einem Farm-Bus ins nächste Dorf zu einer Sekundar-Schule gefahren.

Dennoch sind die Arbeiter hier nicht in kulturelle oder soziale Mitgestaltungsprozesse eingebunden, was vielleicht auch nicht deren primäres Interesse hier ist. Die Arbeitsprozesse sind auch sehr eingespielt und kreative Prozesse scheinen nicht nötig. Ideen dürfen dennoch jederzeit eingebracht werden und die Zusammenarbeit ist auf Augenhöhe.

Die Schule der Arbeiterkinder: Eine bessere Zukunft für die eigenen Kinder ist wohl eines der Hauptmotivationen vieler Mitarbeiter hier zu sein

Solidarität

Besonders zum deutschen Biolebensmittel-Großhandel „Lebensbaum“ besteht eine enge Zusammenarbeit, seit Lebensbaum die Finca Irlanda nach einem großen Kaffee-Rost-Befall vor drei Jahren, wo ein Großteil der Ernte ausfiel, gewissermaßen gerettet hat. Gemeinsam wird nun geschaut, wie die Farm für Mitarbeiter und Umwelt weiterentwickelt werden kann und gleichzeitig der Kaffee für die Kunden erschwinglich bleibt.

Mehr Artikel von Lebensbaum über die Finca Irlanda, mit denen Lebensbaum ihren Kunden die Finca näher bringt:

Gemeinsames Abladen der 65 kg schweren Säcke mit frischen Kaffeebohnen (rote Kirschen) Jeder Arbeiter weiß welche Säcke seine sind und man wird pro Sack bezahlt.

Transparenz

Die Farm ist sehr offen und bemüht sich, selbst alle spontanen Besuche möglich zu machen. Obgleich ich lediglich einen Tag vorher das genaue Datum wusste, wurde mir einen ganzen Tag lang alles gezeigt. Mit dem Jeep, dem Farmmanager und Walter Peters wurde ich durch die Berge gefahren und durfte in alle Kaffee-Verarbeitungsprozesse schnuppern. Ich konnte mit allen Familien, Mitarbeitern und Angestellten sprechen.

Das Team von morgen dankt für die Offenheit und wünscht der Finca Irlanda und allen Menschen dort viel Erfolg für die Zukunft!

Änderungen: In einer früheren Version wurde von einer Farmgründung 1938 gesprochen. Richtig ist aber der Kauf 1928 durch den Vater von Walter Peters.