Mit durchschnittlich über 11 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr verbrauchen wir Deutschen mehr als uns zusteht. 3 Erden bräuchten wir, wenn alle Menschen so leben würden, wie wir Deutschen. Anders gesagt: schon am 5. Mai haben wir alle Ressourcen für dieses Jahr verbraucht!

Etwa 50% der pro Kopf CO2-Emissionen in Deutschland entfallen laut dem CO2-Rechner.de des Umwelt Bundes Amtes (UBA), auf Konsum (3,7t) und Ernährung (1,7t). Die Karte von morgen möchte Menschen im Alltag helfen, den Anteil von 5,5t CO2 um bis zu 70% auf 1,7t CO2 zu senken. Wie das geht, und wie wir das berechnen, erklären wir im folgenden.

Dein Ökodorf in der Stadt

Die Karte von morgen bündelt alle nachhaltigen Projekte einer Stadt, wie man sie sonst nur in einem Ökodorf findet und damit ermöglichen wir unserer Zielgruppe ein Leben wie im “Ökodorf in der Stadt” (vgl. Lebensstil des Ökodorfes Sieben Linden in “Die CO2Bilanz des Bürgers”, 2007, S. 66). Mit den Karten und den daraus folgenden Konsumänderungen können die Durchschnittswerte potenziell um bis zu 0,88 tCO2äq in der Ernährung und 2,81 t im Konsum (insgesamt bis zu 3,69 t) reduziert werden (Szenario UBA-Rechner).

Nur Dank sehr armer Länder ist der weltweite Fußabdruck halb so groß wie der Deutsche. Damit allerdings jeder ein würdiges Leben hat und wir dennoch eine lebensfähige Welt haben, muss der Ökologische Fußabdruck von 11 auf 2 Tonnen CO2Äquivalente sinken!

Berechnung der Treibhausgaseinsparungen

Auf der einen Seite können wir den Einsparwert (y) wissenschaftlich abschätzen, also kalkulieren, wie viel Einsparung eine einzelne Maßnahme bringt. Auf der anderen Seite sind für das Gesamtprojekt die Effektivität (x) der Maßnahme, also wie viele Menschen wir zu einer Verhaltensänderung motivieren können, und die Wirkdauer (z) relevantere Hebel. Wobei Effektivität und Wirkdauer idealerweise sozialwissenschaftlich durch Verhaltensforschung ermittelt werden sollten.

Die durch das Projekt mit der Karte von morgen zu erwartenden Treibhausgasreduzierungen sind gemäß der Arbeitshilfe des deutschen Umweltministeriums zur Ermittlung der Treibhausgasminderung berechnet. Die Rahmenbedingungen der Erhebung kennen wir nicht. Verwunderlich sind auch die Veränderungen mit der Neuausgabe: 2019 wurde die Einsparung bei “Fleischkonsum reduzieren” noch mit 700 kgCO2äq/a angegeben und 2020 nur noch mit 120 kgCO2äq/a. Auch die Werte, die man sich im UBA.CO2-Rechner.de ermitteln kann, weichen meist deutlich von den Werten in der Arbeitshilfe ab.

Eine schematisches Beispiel aus der Handreichung

Einsparwerte y

Mit der Karte von morgen als Einkaufs- bzw. Reparaturführer fokussieren wir in jeder Region auf vier Handlungsschwerpunkte bzw. Lebensstiländerungen zu den wir konkrete Lösungen kartieren (sortiert nach steigendem Beitrag zu unserem Gesamtziel), denen wir aus dem Katalog der Arbeitshilfe exemplarisch Einspar-Tipps zuordnen können:

  1. Verpackungsfrei(er) und plastikarm leben (5%)
    • Einmal ohne, bitte” Verpackungen und Plastiktüten meiden: 5 kgCO2äq/a
    • refill: Leitungswasser trinken statt Plastikflaschen kaufen: 30 kgCO2äq/a
  2. Kleidertausch, Second-Hand, reparieren und Sharing Economy (10%)
    • Bibliothek statt Buchhandel: 2,5 kgCO2äq/a
    • Kinderkleidung erben und weitergeben: 90 kgCO2äq/a
    • Elektrogeräte, Spielzeug und Werkzeug reparieren (in repaircafes) bzw. reparieren lassen 67 kgCO2äq/a
    • Mit Bürgerbussen und Mitfahrerbänken Fahrgemeinschaften bilden: 255 kgCO2äq/a
    • Carsharing nutzen: 280 kgCO2äq/a
  3. Regionale und saisonale Lebensmittel (20%)
    • Auf biologische Produkte achten: 60 kgCO2äq/a
    • Saisonales Obst und Gemüse finden: 30 kgCO2äq/a
    • Orte für Regionale Lebensmittel nutzen: 250 kgCO2äq/a
  4. Fleischkonsum reduzieren (65%)
    1. Margarine statt Butter: 135 kgCO2äq/a
    2. Fleischkonsum insgesamt stark reduzieren: 120 kgCO2äq/a

Zählen wir alle Einsparpotentiale zusammen (gibt es also eine Person, für die durch die Karte all diese Möglichkeiten neu erschlossen wurde, und die zufällig auch alle Angebote nutzen kann, so dass sie ihr Konsumverhalten in allen Bereichen konsequent verändert), so kommen wir auf eine Gesamteinsparung von 1,35 tCO2äq in einem Jahr.

Wenn wir die lokalen Nachhaltigkeitskarten und Einkaufsführer erstellen, suchen wir also speziell nach Angeboten dieser vier Kategorien und bringen sie auf einer Karte zusammen (Die Kategorien auf der Karte orientieren sich jedoch an der Nutzerperspektive und folgend nicht unbedingt den 4 Bereichen). Die Karte soll dann Menschen erreichen, die diese Orte noch nicht kannten. (Daher unsere Öffentlichkeitsarbeit). Der THG Einsparungs-Effekt, ob ich bspw. ein neues Repaircafe eröffne oder ein bestehendes für neue Zielgruppen durch die Karte erschließe, ist letztendlich gleich.

Da NutzerInnen durch die Karte auch weitere Alternativen für einen nachhaltigen Konsum entdecken werden, der nicht in den Richtwerten der Arbeitshilfe enthalten sind, und somit hier nicht fundiert einfließen konnten, halten wir die obige Abschätzung für eher vorsichtig und gehen davon aus, dass das Einsparpotential in vielen Städten noch größer ist.

Beispielhafte Wirkkette mit einer Persona “Katrin”, die davon erfährt

Die Transition-Town-Initiative erstellt die Karte und die Aktivistin Tanja legt sie im Kindergarten aus, erwähnt sie im Elternabend und verschickt sie über den Elternverteiler als Link, wobei sie gleichzeitig zum Newsletter der Transition-Town-Initiative einlädt. 

  1. Dadurch erfährt Kathrin (eine andere Mutter), die gerade neu hergezogen ist, davon und entdeckt die refill-Stationen und “Einmal ohne, bitte”-Orte, wodurch sie auf Plastikflaschen verzichten und verpackungsfrei einkaufen kann (y=30+5 kgCO2äq/a). Die ersten einfachen Erfolge im plastikfreien Leben regen Kathrin zu weiteren Maßnahmen an. 
  2. Beim Erntenachmittag der SoLaWi, den sie über die Karte findet, tauscht sie sich mit Anderen über saisonale und regionale Lebensmittel aus und wie viel CO2 Einsparung durch Humusaufbau in einer regenerativen Bio-Landwirtschaft möglich ist. Sie entscheidet sich, nur noch bio, regional und saisonal einzukaufen, und bei allem auf möglichst kurze Transportwege zu setzen, auch bei Bier, wozu sie auf der Karte regionale Produzenten sucht. (y=250+20+25 kgCO2äq/a) 
  3. Mit dem regelmäßigen Austausch in der SoLaWi, aber auch im Gemeinschaftsgarten, lernt sie immer bessere vegane Alternativen kennen, sodass sie auch Fleisch- und Milchprodukte weitgehend reduziert (y=120+135 kgCO2äq/a). 
  4. Ihr lifestyle verändert sich mit ihrem Freundeskreis, sodass sie auf neue Kleidung verzichten kann und sich über die gemeinschaftliche Atmosphäre auf Flohmärkten und Kleidertauschpartys freut (y=90 kgCO2äq/a).
  5. Auch Repair-Cafes und Foodcoop werden Teil ihres Familienlebens, sodass sie kaum noch Plastik- und Elektrogeräte wegwerfen muss, sondern viel repariert (y=67 kgCO2äq/a). Seit sie die lokale Schneiderin und den einzig verbleibenden Schuster im Ort gefunden hat, kauft sie auch seltener neue Schuhe. 
  6. Sie fährt häufiger bei anderen mit, seit sie die auf der Karte lokalisierten Mitfahrerbänke und Fahrgemeinschaften in ihrer Nähe gefunden hat, leiht sich ein Lastenrad, weil sie einfach die Stationen findet (und sowieso nur noch regional einkauft) statt Kurzstrecken mit dem Auto zu fahren und und schafft schließlich das eigene Auto ab, nachdem sie einen Carsharing-Standort auf der Karte findet (y=255+185+280 kgCO2äq/a)
  7. Da für die GründerInnen nachhaltiger Angebote dank der Karte eine zielsichere Werbeplattform zur Verfügung steht und da sie auf der Karte auch gut analysieren können, wo es noch Lücken in den Angeboten gibt, führt die Karte auch zu mehr und nachhaltigeren Neugründungen.

Insgesamt spart Kathrin so etwa 1.35 kgCO2äq/a ein. Möglicherweise setzt sie ihre neu entwickelte Haltung auch in anderen – hier nicht abgebildeten Lebensbereichen – um, wie dem Wohnen und dem Energieverbrauch.

Effektivität x

Die Reihenfolge, wie Kathrin was kennenlernt, mag unterschiedlich sein, aber das ist nur eine von 20 Familien ihres Kindergartens, und sie wird es auf dem nächsten Kindergartenfest weiter erzählen. Nun ist jedoch die Frage, wie viele von den Menschen, die auf unserer digitalen Karte landen, unseren Karten-Flyer in der Hand halten oder unsere App installieren, wirklich ihr Verhalten verändern. Da es weder eine gesetzliche Vorschrift gibt (wie beim Dieselfahrverbot) noch einen finanziellen Anreiz (wie das die Gemeinwohl-Ökonomie erreichen will), ist gemäß der Arbeitshilfe davon auszugehen, dass sich nur wenig Menschen wirklich verändern.

So erreicht die Karte und diese Informationen in einem Jahr 10.000 Menschen in ihrer Region von denen 4% effektiv ihr Handeln umstellen und weitere 10.000 online-Nutzer*innen, von denen 1% ihr Verhalten ändert. Und mit der wachsenden Nachfrage steigt auch die Verfügbarkeit der Angebot.

Tabelle über effektives Nutzerverhalten aus der Arbeitshilfe vom UBA.

Die Papierkarten, Onlinekarten und unsere Social-Media Kanäle bieten konkretes Entscheidungswissen (situationsspezifisch, dem Lebensumfeld angepasste aber nicht individualisierte Informationen) auch durch grundlegende Infos auf der Kartenrückseite. Wir können damit zunächst mit einer Effektivität von 2% rechnen.

Aber die Karte von morgen ist ja mehr als eine anonyme Onlineplattform. Wir kartieren nämlich eben nicht nur Unternehmen sondern auch Initiativen und Veranstaltungen um den NutzerInnen mehr als Konsum zu bieten: Ein neues, herzliches soziales Umfeld, inspirierende Veranstaltungen und Mitmenschen, die sich darüber freuen und ein persönliches Feedback geben, wenn es mir gelingt, mein Verhalten zu verändern. Auch verteilen wir die Karte bewusst in (Sport-)Vereinen, (Musik-)Schulen und ähnlichen verbunden Gemeinschaften, die sich gemeinsam für einen “Wandel for future” entscheiden. Zusammen mit den sozialen- und netzwerkbildenden Aktivitäten, Veranstaltungen, Initiativen und Projekten von lokaler Multiplikatoren wird dieses Projekt zu einer intensiven, breiten Kampagnen, mit, durch direkter Rückkopplung verbunden, positive Erfahrung über Effekte eigenen Verhaltens, da die Nutzenden ein neues soziales Umfeld finden. Deswegen rechnen wir mit einer Effektivität (x) von 4%.

Im Rahmen unsere Klimafit-Karten Projektes werden in 100 Städten und Regionen je 10.000 Faltkarten verteilt. Damit können also 10.000 Menschen erreicht werden. (Ja, es gehen einige verloren, dafür landet die ein oder anderen Karte auch in Familien und WGs, wo sie gleich mehrere Personen erreicht). Bei einer Effektivität von 4% würden also 400 Menschen dank der Karte von morgen nachhaltiger leben.

So idealtypisch wird es jedoch nicht verlaufen. Maximal eine Hand voll Menschen werden mit unserem Flyer wirklich über 1 tCO2 einsparen. Und der Rest? Von den 10.000 Menschen ist sicherlich die Hälfte von Grund auf desinteressiert und wirft den Flyer direkt weg. Andere leben schon so nachhaltig in allen Bereichen, sodass ihnen unser Flyer auch nicht weiterhilft.

Die übrigen 4.000 -6.000 Menschen sind unsere Kernzielgruppe, bei der wir wirklich etwas bewegen können. Sie werden in einzelnen Bereichen etwas verändern. Das sind die, die schon oft in den Medien gehört haben, wie wichtig eine Verhaltensänderung aller Menschen ist, denen aber bisher die konkrete Hilfe fehlte, um ein Lastenfahrrad zu finden, sich bei der regionalen Foodcoop an zu melden und den veganen Kochkurs zu besuchen. Jetzt ist der Einstieg plötzlich möglich und sie fangen in einem der vier Bereiche an. Statt dass 400 Menschen 1 t CO2 sparen, werden 4.000 Menschen eher 100 kg CO2 sparen.

Besuchen wir aber nochmal unseren Idealfall “Katharina” aus unserem Beispiel der Wirkungskette: Innerhalb eines Jahres ist ihr ganzes Umfeld fairwandelt und statt Konsum steht nun Gemeinschaft im Mittelpunkt. Ihre Konsumausgaben haben sich halbiert, stattdessen investiert sie nun mehr Zeit und Geld in Reparaturen.

Wirkdauer z

Verhaltensänderungen wirken gemäß der Arbeitshilfe etwa zwei Jahre lang. Es wird argumentiert, dass Verhaltensänderungen immer neue Impulse brauchen. Deshalb und durch die Änderung und Verbesserung des Angebots wird idealerweise alle zwei Jahre eine neue Karte erstellt.

Andererseits kennen wir Verhaltensänderungen, die deutlich länger wirken: der Verzicht aufs Auto, der Umstieg auf vegetarische Ernährung, die Umstellung auf “grünen Strom” – all das sind häufig auch Grundsatzentscheide im Leben, die nicht so rasch wieder über den Haufen geworfen werden.

Hinzu kommt, dass durch sich bildende und verstärkende Gemeinschaften (wie sie durch durch Veranstaltungen und Mitmach-Initiativen des Projektes angeregt werden) ein sozialer Anreiz entsteht, Maßnahmen lange beizubehalten und eher noch zu “verschärfen” als wieder aufzugeben. Wir denken also, dass eine Wirkdauer von 2 Jahren eher vorsichtig bemessen ist.

Deutschlandweite Gesamteinsparung bei Kartenprojekten in 100 Städten/Regionen

Mit den hier angenommenen Maßnahmen, der Effektivität und der Wirkdauer mit online und offline Reichweite werden insgesamt 1.446 tCO2äq in einer Region eingespart. Durch die bundesweite Anwendbarkeit, Sichtbarkeit und die direkte Übertragung des Projektes auf 100 Regionen (Kommunen oder Stadtteile), ergibt das eine TGH-Einsparung von 144.610 tCO2äq.

Darin enthalten sind bundesweit weitere 36.490 tCO2äq THG-Einsparungen, durch 1.350.000 weitere NutzerInnen auf der Onlinekarte und der Smartphone-App, die über reine Online-Reichweite und Social Media Marketing zu uns kommen, z.B. NutzerInnen der Seiten nachhaltiger-warenkorb.de, glossardeswandels.de, Social Media, Zeitungsartikel und Newsletter unserer Partnerorganisationen (x = 1%). Die Gesamteinsparung über die Projektlaufzeit (Regionale Reichweite + Online) beträgt somit 108.317 tCO2äq. Eine tabellarische Berechnungsübersicht findet sich hier.

Weitere Multiplikatoreneffekte sind zu erwarten da über 200 Netzwerke der sozial-ökologischen Transformation die Karte von morgen nutzen bzw. bestimmte Inhalte daraus als Iframe auf ihren Webseiten integrieren. Durch die automatisierten Schnittstellen steht ein großer Datenpool open source zur Verfügung, dessen redaktionelle Betreuung verhältnismäßig einfach ist.

Fazit

Für mehr Klimaschutz braucht es in erster Linie nicht noch eine Lastenrad-Initiative, nicht noch einen Unverpacktladen oder nicht noch ein weitere veganes Menü, sondern vor allem mehr Menschen, die das nachfragen! Unsere Innovation mit der Karte von morgen ist der Hebel, damit “nachhaltig” auch nachgefragt wird: Weil man davon regional hört und es leicht findet.

Weiterführende Links

Das Förderprojekt des Umweltministeriums für 1 Mio. Klimafitkarten

Ein Workshop zum Ökologischen Fußabdruck: